Radikale Therapie

Wir begreifen unsere RT-Gruppe als Selbsterfahrungs- und Selbsthilfegruppe. Hier gibt es keine festgezurrten Klient-Therapeut-Beziehungen: jede_r lernt, anderen Menschen Unterstützung zu geben und von anderen Unterstützung zu bekommen. Das oberste Prinzip ist Wohlwollen. Und: RT ist aus Prinzip kostenlos.

RT war für einige von uns die Wiederentdeckung der Fähigkeit, uns in Gruppenzusammenhängen gegenseitig zu unterstützen. Die eigenverantwortliche Auseinandersetzung mit uns selbst als Individuum wird dabei zur Basis wie wir uns in (der) Gruppe bewegen. Die intensiveren Arbeitszeiten und insbesondere das anschließende Wiedererkennungs-Feedback zeigen uns, wie wir mit unseren Problemen, Mustern und Strategien gar nicht alleine stehen. Allesamt sind wir in diese kapitalistische Welt geworfen und durch eine spezifische, geschlechtsdifferenzierte Sozialisierung und Tradition gegangen.

RT schafft durch Wohlwollen und Struktur die notwendige Sicherheit, die wir brauchen, um uns mit unseren Schwächen, Unsicherheiten und sozialen Verletzungen zeigen zu können. Dann kann ein_e jede_r im eigenen Tempo Probleme annehmen und bearbeiten.

 

Zentrale Werte

ACHTUNG
Für mich selbst. Für die anderen Menschen.

EIGENVERANTWORTUNG
Ich selbst sorge dafür, dass es mir gut geht. Irritationen haben Vorrang.

GLEICHBERECHTIGUNG
Keine Wissenden und Unwissenden. Wechsel von Geben und Nehmen.

KEINE UNTERDRÜCKUNG
Keine Wertung. Kein Diskussion. Ratschläge sind auch Schläge.

SICHERHEIT
Schweigepflicht. Keine Beleidigung. Keine Gewalt.

VERBINDLICHKEIT
Pünktlichkeit. Regelmäßige Teilnahme.

KEINE DROGEN
Kein Kaffee, Alkohol oder Süßigkeiten in den Gruppensitzungen und in der Pause.

Und: RT ist kein Therapieersatz.

 

Feste Bestandteile

Folgende Runden sind fester Bestandteil eines RT-Abends:

BLITZLICHT
Gibt einen Eindruck davon, wo die anderen mit ihrem Tag herkommen und wie es in diesem Moment um ihre Aufmerksamkeit bestellt ist.

GUTES UND NEUES
Um aufmerksam für das Positive in seinem/ihrem Leben zu werden, äußert sich jede_r zu den guten und neuen Dingen in ihrem Leben.

GESPINSTERUNDE
In dieser Runde äußern die Teilnehmenden Wahrnehmungen über andere  Gruppenmitglieder, die diese bestätigen oder verneinen.

ARBEITSZEITEN
In den Arbeitszeiten kann jede_r seine/ihre Themen auf seine/ihre Weise bearbeiten. Die arbeitende Person wählt sich eine unterstützende Person und hat bei ihrer Arbeit die volle Aufmerksamkeit der Gruppe.

GROLLRUNDE
Ärger, Wut und Irritation über andere Mitglieder der Gruppe sollen bewusst gemacht, ausgesprochen und entladen werden. Diese Gefühle haben viel mit der wütenden Person selbst zu tun.

SCHMUSERUNDE
In dieser Runde kann jede Person sich und anderen Personen in der Gruppe Anerkennung geben, bekommen, ablehnen und sich wünschen.

Zwischen den Runden ist Raum für Singen, Spielen, Körperarbeit und neue Ideen.

 

Texte zu RT

  1. Von Groll-, Schmuse- und Gespinsterunde von „Thee“ Thomas Hillar und Daniela Frick. In: Kollektiv Kommunebuch (Hg.): Das Kommunebuch: Alltag zwischen Widerstand, Anpassung und gelebter Utopie. Göttingen 1996, 276-289
  2. Männer-Radikale-Therapie von Achim Faber und Wilhelm Breitenbürger. In:  Holger Brandes / Hermann Bullinger (Hg.): Handbuch Männerarbeit. Weinheim 1996, S. 154-164.
  3. Handbuch zur Einführung in die Praxis der Männer Radikal Therapie für Gruppen von Horst Gräser, Martin Häfele, Reinhard Hallwachs 1997 u.a.

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